Die ersten Fotos von Triest: die verlorenen Daguerreotypien von C. Fontana

04.01.2021 – 11.40 – Triest ist wegen seiner eindrucksvollen Ausblicke und Naturpanoramen schon immer ein unwiderstehliches Motiv für Fotografen gewesen, bereits seit Beginn dieser noch jungen Kunst, die vor kaum mehr als ein paar Jahrhunderte entstand.
Das Schauspiel des Karsts und dazu noch der des Golfes, der Triest wie in einer Umarmung umschließt, haben die Fantasie zahlreicher Künstler gefangen genommen; dazu muss man noch den Menschlichen Beitrag hinzurechnen, der durch den Bau von Straßen und Plätzen noch weitere eindrucksvolle fotografische Motive bietet.
Die ersten Spuren der Fotografie in Triest gehen auf April 1839 zurück, als Giovanni Mollo in seinem Geschäft Geräte zur Daguerreotypie ausstellte, um die Neugier der Besucher zu wecken.
Die Erfindung der Daguerreotypie – das erste fotografische Verfahren der Welt – wurde noch im selben Jahr in Frankreich vorgestellt und war ein großer Erfolg.
Eine Kupferplatte, auf die eine Silberschicht aufgebracht war, wurde mit Joddampf lichtsensibilisiert.

Die Entwicklung des Fotos erforderte eine Stunde Einwirkung von Quecksilberdämpfen, gefolgt von der endgültigen Fixierung.
Da das Silber bei Lichteinwirkung mit der Zeit anläuft, musste die Fotografie besonders sorgfältig aufbewahrt werden. Bei der Verwendung von Dämpfen bestand außerdem die Gefahr, dass ein unvorsichtiger Fotograf sich vergiften konnte.
In Italien war Daguerreotypie nicht so erfolgreich wie in Frankreich und England. Aber Triest gehörte damals zu Österreich, und dank der österreichisch-deutschen Einflüsse verbreitete sich die Daguerreotypie sehr schnell. Der Sohn eines “Kaufmanns und Numismatikers” aus Triest, Carlo Fontana, interessierte sich bald dafür. Heute erinnert man sich an seinen Sohn Guido vor allem wegen seiner Militanz in Garibaldi und weil er Mazzinis Sekretär wurde, als dieser im Londoner Exil war.
Sein Vater Carlo wohnte in der Via Romagna 10, wo er ein Atelier eingerichtet hatte, um Porträts mit Daguerreotypie anzufertigen.

Die ersten offiziellen Fotografien von Triest stammen aus dem Herbst 1839; am 24. November beschreibt die liberale Zeitung La Favilla die aufregende Neuheit der Daguerreotypie, dank eines außergewöhnlichen Journalisten, Francesco dell’Ongaro.
Dieser merkt an, dass “diese einzigartige und wichtige Entdeckung” einen “glänzenden Erfolg in Triest haben könnte, wo die Annehmlichkeit der Umgebung, die Ruhe des Himmels, die Reinheit der Luft für solche Experimente, bei denen das Licht das wichtigste Element ist, sehr geeignet sind”.
Die ersten Versuche seitens Carlo Fontana waren nicht besonders erfolgreich, denn “bei der Inspektion des Apparates stellte sich heraus, dass einige der Flüssigkeitsbehälter zerbrochen waren, das Quecksilber verstreut war und die Metallplatten, auf denen die bewundernswerte Perspektive eingeprägt werden sollte, nicht unerheblich beschädigt waren”.

Deshalb “begannen wir am Erfolg zu zweifeln”.
Doch Fontana beschloss, es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen, und siehe da! “Es entstanden zwei Perspektiven, so schön und glücklich, wie wir es uns wünschen”.
Es war wirklich ein neues und wunderbares Schauspiel”, erinnert sich dell’Ongaro, “als die bereits vom unsichtbaren Spektrum bedruckte Folie, die der Begasung mit Quecksilber ausgesetzt war, das empfangene Bild zu zeigen begann”.
Hier sind dann “die Hänge des Hügels, die weißen Häuser, in denen es rege bevölkert ist, mit einer mikroskopischen Genauigkeit deutlich aus dem Feld herausgehoben; dem bloßen Auge erscheinen die winzigsten Einzelheiten der Szene, die durch die einzige Abstufung des Helldunkels klar und deutlich gemacht werden”.
Der Journalist beschreibt es als “einen weiteren Fiat Lux: In wenigen Sekunden wurde die gleichmäßige Oberfläche der Folie in einem Bild lebendig, das so vollständig war, dass der zarteste Stahlstich es kaum nachahmen konnte”.

Wie Kinder, die mit einem neuen Spielzeug hantieren, beeilten sich Fontana und seine Freunde, am nächsten Tag “die Börse und das Theater” zu fotografieren, was “die schwierigsten und anspruchsvollsten Beobachter überraschte”.
Der Journalist beobachtet, wie die Verbreitung der Daguerreotypie nur dank “der Liberalität der französischen Regierung” ermöglicht wurde, dank der “diese Erfindung nicht mehr das Privileg eines Einzelnen, sondern Allgemeingut ist”.
Carlo Fontana machte dieses Hobby bald zum Beruf und fertigte Daguerreotypie-Porträts für zarte der Oberschicht angehörige Mädchen und Finanziers im Frack an.

Doch diese ersten Daguerreotypien, flimmernde Bilder eines Triest, das einmal war, sind verloren.
Sieben Jahre später, 1846, kam Ferdinando Brosy für kurze Zeit nach Triest: ein in Venedig lebender Preuße, der mit seiner Frau und seiner Tochter als reisender Fotograf zwischen Padua, Rovigo und Verona pendelte.
Für einen Adligen wie Fontana war die Daguerreotypie ein angenehmer Zeitvertreib, doch schon bald wurde die Fotografie zu einem echten Beruf.
Die Ersten, die in diese Richtung gingen, waren das deutsche Ehepaar Gerothwohl & Thanner aus Frankfurt.
Laut einer damaligen Anzeige empfingen sie Kunden in einem Studio im Hotel de France, Nr. 7, dritter Stock, von 10 bis 16 Uhr.

Die beiden Fotografen stellten jedoch keine Daguerreotypien her, sondern verwendeten die “Kalotypie”.
Dabei handelte es sich um eine Technik zur Entwicklung von Bildern, die von geringerer Qualität war als die Daguerreotypie: Die Fotografie wurde auf Papier fixiert und es gab hauptsächlich ein Negativ, mit dem mehrere Bilder produziert werden konnten.
Die Fotografie war auf dem Weg zum Massenmarkt und für jedermann erschwinglich zu werden.
Das deutsche Ehepaar versprach bei dieser Gelegenheit, dass ihre Werke “für das Auge annehmbarer als die gleichen Stiche und Lithografien sind und koloriert und sogar aquarelliert werden können”.

[Quellen: Italo Zannier, Fotografie und Fotografen in Triest, in La Bora, n.3, April-Mai 1980]